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Für den Naturfotografen bietet das Wohnmobil den unschätzbaren Vorteil immer da zu sein, wo auch fotografisch etwas geboten ist. Doch Vorsicht, in Italien ist das mit dem frei Stehen nicht so wie bei uns. Prinzipiell ist wildes Campen verboten, einiges wird toleriert, aber in Strandnähe kann es schon sein, dass die Policia eingreift. Einfache Stellplätze sind mit „Area Sosta Camper“, Landgaststätten mit heimischer Küche als „Agriturismo Sardegna“ ausgeschildert

Rund um die Insel sind aber auch genügend Stellplätze bis hin zu komfortablen Campingplätzen, die sowohl Strom, Wasser und Entsorgung anbieten. Häufig gepaart mit einem – meist vernünftigen - Restaurant.

Von München nach Genua – dem nächstgelegenen Fährhafen Richtung Sardinien, ist es mit dem Wohnmobil eine kurze Tagesreise. Die Fähren nach Olbia oder Porto Torres gehen meist abends gegen halb Zehn Uhr und fahren über Nacht. Camping an Board gibt es derzeit noch nicht. Wer es mit etwas Komfort genießen will nimmt eine Kabine. Ausgeschlafen kommt man am nächsten Morgen auf der Insel an.

Ich beginne hier mal in Olbia. Ca. 70 km südlich liegt der kleine Ort Orosei. Dieser bietet am Strand einen schönen Stellplatz „Osalla Beach Garden“, mit einfacher Dusche, Wasser, Strom und Entsorgung – übrigens mit gutem Restaurant und Bar – und einem, über eine Hängebrücke erreichbaren – sehr schönen Strand mit Pinienhain. In und um den Stellplatz findet sich eine Menge an verschiedenen Insekten (neben dem WOMO kann man mit etwas Glück schon Gottesanbeterinnen finden), die durchaus Lust zur Fotografie machen. Der Pinienhain am Strand bietet besonders am Morgen karibisch anmutende Motive.

  

 

  

Wer frischen Fisch oder Meeresfrüchte will dem sei der Fischhandel am Ortsausgang von Orosei links an der Straße zum Stellplatz empfohlen - der Hammer.

Weit im Süden des Golfes von Orosei kann man einen großen Felsen im Dunst erahnen – an ihm lebt die größte Eleonorenfalken-Kolonie des westlichen Mittelmeeres. Doch dazu gleich noch mehr. Hier am Platz muss man sich nun entscheiden, ob man der Küste weiter gegen Süden folgt oder in die nahen Berge will. Unterschiedlicher könnten die Möglichkeiten nicht sein.

Folgen wir mal der Küste südlich:

Vorbei an Cala Gonone und Urzulei geht es nach Baunei. Kurz hinter dem Ort biegt eine Straße Richtung links zur Küste ab und man gelangt nach unzähligen Kurven durch immergrüne Maccia in herrlicher Berglandschaft zum Punta Pedra Longa, zwei Felsnadeln im Meer, die bei Nacht und Sonnenaufgang ein fantastisches Bild ergeben. Hier kann man, zwar beengt und oft besetzt, auch mit dem Wohnmobil auf geteertem Untergrund nächtigen. Übrigens ist zwei Kurven oberhalb auch ein gutes Restaurant - das Bier ist frisch und hat den Namen "Ichnusa". Unbedingt ausprobieren - rechts vom Eingang zur Terrasse führt eine lange Steintreppe hinab ans Meer zu einer kleinen Badestelle.

Und hier geht auch etwas oberhalb der Gaststätte ein Wanderweg links und rechts in unwegsames Gelände. Nach den Bestimmungen (beschrieben auf einer großen Infotafel) darf man ihn eigentlich nicht ohne Führer benutzen – uns kam auf dem Weg auch eine geführte Gruppe entgegen – aber wenn man diesem Pfad nur gerade nach Norden folgt, sollte man zwar trittsicher sein, aber alpine Kenntnisse sind nicht erforderlich. Und nach ca. 2,5 Stunden kommt man dann auch an ein kleines Plateau mit wunderbarem Blick auf – sie werden es erraten – auf den Falkenfelsen. Ein Herankommen ist nicht möglich, der Weg führt von hier steil bergauf Richtung Baunei, aber ich glaube das muss man auch gar nicht, denn schon von hier wird einem klar wie gewaltig dieser Fels ist. Aber Falken sind genügend in der Luft.

Weiter nach Süden geht’s es in die kleine Stadt Arbatax mit seinem Jachthafen und dem berühmten Porphyrfelsen. Morgens und abends ein farbenfrohes Motiv. Der Felsen leuchtet in verschiedenen Rottönen. Direkt vor den Felsen, unmittelbar nahe des Hafens gelegen kann man mit dem WOMO auf einem sandigen, ebenen Platz mal eine Nacht stehen bleiben. Empfehlen kann ich "Campeggio Villaggio Sos Flores", ein Stellplatz 15 min vom Hafen entfernt, unter Eukalyptusbäumen gelegen mit eigenem Strand, Restaurant und strikter Mülltrennung – natürlich auch alles an Entsorgung sowie Strom und großzügigen Sanitärräumen.

Unbedingt zu empfehlen ist eine Fahrt mit der Schmalspurbahn ins Gebirge. Am Hafen ist auch der kleine Bahnhof. Entspannter kann man das bergige Hinterland nicht erkunden.

Über Bari Sardo geht’s noch südlicher, Villaputzu und Porto Corallo ist unser nächstes Ziel. "Bellavista Camper Service" kurz vor dem kleinen Hafen gelegen ist ein einfacher Stellplatz mit allem. Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt, Stellplatznah zu Fuß erreichbar findet man mehrere verwilderte Bereiche mit einer vielfältigen Insektenwelt. Gelegentlich auch mal mit Schildkröten und verschiedenen Singvögeln.

Von hier gings dann für uns im Herbst immer an Cagliari vorbei an die südliche Westküste. Unser Ziel Porto Botte und die von dort südlich schnell erreichbaren Salinen. Hier gibt es einen traumhaften Stellplatz „Spiaggia di Porto Botte“, gelegen zwischen Meer und Saline, auf festem Untergrund und mitten drin. Zentral im Gebiet hat man hier nicht nur tolle Sonnenauf- und untergänge sondern auch in den Salinen eine reiche Vogelwelt. Verschiedene Grasmücken, Limikolen, Enten und Flamingos sind hier in vernünftigen Distanzen anzutreffen. Aber auch Krähenscharbe und mehrere Möwenarten finden sich am Strand ein.

Unser eigentliches Ziel ist aber, über eine Verbindungsstraße durchs Meer Sant Antioca, und weiter der kleine Hafen von Calasetta. Hier geht 2-stündlich die Fähre nach Carloforte auf der Isola de San Pietro, das italienische Traumziel im Herbst für Vogelfotografen – hier geht es zu den Eleonorenfalken.

Der Preis Hin- und Rückfahrt fürs WOMO liegt bei ca. 80 Euro, Fahrzeit ca. 1 Stunde. In Carloforte angekommen hält man sich linksseitig – Ziel "Capo Sandalo". Wer allerdings die am Stadtrand gelegenen Salinen genauer studiert wird sich die Weiterfahrt als Fotograf fast überlegen, so wimmelt es hier von verschiedenen Vögeln. Bis 2019 unterhielt der örtliche Naturschutz am geteerten Parkplatz – der ist übrigens auch der Stellplatz fürs WOMO während des Aufenthaltes (Keile unbedingt vonnöten) - eine Informationshütte und wies den Fotografen die Hides und Stellplätz zu. Derzeit hat das wohl ein lokaler Guide übernommen dessen Reservierungsliste auf Nachfrage bereits für das darauffolgende Jahr voll war.

Vom Parkplatz geht ein Weg Richtung Spitze der kleinen Halbinsel. Hier hat man bereits Gelegenheit den Falken bei der Jagd zuzusehen. Am Anfang biegt auch ein Steig rechts Richtung Meer ab und führt die Steilküste steil nach unten. Auch hier gibt es durchaus Gelegenheit mit langen Teles die Vögel abzulichten. Zu erwähnen ist unbedingt, dass mit Schildern das Verlassen des Weges wegen der Falken untersagt ist. Wer sich allerdings am Parkplatz links an der Mauer in die Vegetation begibt folgt einem Fernwanderweg und der führt auch nahe der Steilküste vorbei. Hier ist der richtige Ort um sein Glück zu versuchen.

Weiter hat die Insel eine reiche Insektenwelt sowie eine große Anzahl verschiedener Eidechsen (meist Ruineneidechsen) zu bieten, Blaumerlen sind häufig und auch mehrere Arten von Grasmücken besiedeln die Buschlandschaften entlang der Küste. Während des Vogelzuges sind alle Arten europäischer Kleinvögel anzutreffen. Drei Tage sollte man schon einplanen und immer früh los – bevor die geführten Fotografen durch Gelände gebracht werden.

                                                                                                           

Von hier geht es dann wieder zurück und ein ganzes Stück nördlich in das Gebiet von Oristano.

Nicht ohne am Stellplatz des Örtchens Buggerru ein oder zwei Nächte zu verweilen. Ganz nahe am Meer, mit tollem Strand liegt er am Ende des kleinen Bergwerkdorfes, dessen Zufahrtsstraße von beiden Seiten schon mal 13% Steigung/Gefälle erreichen. Für 10 Euro/Tag hat man Entsorgung, Dusche, WC und Strom. Ein Ausflug zur Lorenbahn mit Besichtigung eine Bergwerkstollens am Südhang des Canyons lohnt sich, die Eisdiele ist überragend, kleine Geschäfte laden durchaus mal zu einem Spaziergang ein und die örtliche Gastronomie ist auch nicht zu verachten. Aber Kamera mitnehmen. Ich war überrascht welche Schmetterlingsvielfalt sich an den Gärten bot. Erdbeerbaumfalter, Schwalbenschwanz und Pelargonienbläuling waren hier gut vertreten, sind aber durchaus an andere Stelle ebenfalls zu finden. Und am Stellplatz singen im Herbst die Blaumerlen um die Wette.

Und dann weiter nach Oristano. An den dortigen Salinen und Flachgewässern gibt es für den Tier- und Naturfotografen ein schier unerschöpfliches Betätigungsfeld.

Wir fahren aber weiter nördlich, an Bosa vorbei (kurz nach Bosa beobachten wir noch eine Zeit lang die Gänsegeier in den dortigen Felsen hoch oben im Gebirge) Richtung Alghero. Landschaftlich ist diese Straße ein Traum. Für Naturfotografen sei aber die Strecke durch die Berge zu empfehlen. Es gibt meerseitig auch mehrere kleine Straßen, die man sich erarbeiten muss oder einfach mal abbiegt. Gerade im Frühjahr trifft man hier auf unzählige Zugvögel. Braun- und Schwarzkehlchen, Schnäpper, Lerchen und Würger, um eine kleine Auswahl zu nennen. Im Frühjahr findet man entlang dieser Straßen auch eine große Anzahl verschiedener Orchideen. Schmetterlingsorchis, Mannsknabenkraut und Übersehene Ragwurz sind nur ein paar davon. Außerdem sind die blühenden Ginsterhänge eine Augenweide.

Alghero sollte man unbedingt besichtigen. Es gibt einen großen Parkplatz vor der Zitadelle (aufgepasst, der ist kostenpflichtig), eine tolle Markthalle mit jede Menge Fisch, Muscheln, Fleisch und Gemüse aus regionaler Gewinnung und natürlich jede Menge bester Lokalitäten. Ein paar Kilometer nördlich befindet sich ein großer Stellplatz mit allem, "Camping Village Laguna Blu". Folgt man dieser Straße, vorbei an einem Schutzgebiet genannt „Regionaler Naturpark Porto Conte“ gelangt man schließlich zum „Capo Caccia“, wo diese Straße endet. Zu besichtigen ist unbedingt die Neptunsgrotte. Hier am Kap leben mehrere Paar Wanderfalken und Gänsegeier, überdies ist dies der wohl beste Ort Sardiniens um nächtens die hier vorkommenden Sturmvögel zu sehen.

Ein paar Kilometer weiter nördlich gelangt man zum "Lago Baratz". Der einzige Süßwassersee Sardiniens bietet vielfältige Fotomotive, verschiedenen Eidechsen, Wasservögel und mit etwas Glück auch Schildkröten. Übrigens teilen sich vier Arten die Insel auf. Besonders zu erwähnen ist die hier lebende Breitrandschildkröte sowie auf dieser Höhe die einzelnen Küstenabschnitte mit traumhaften Buchten z. B. „Torre Bianca“, mit Steinkegeln und beeindruckenden Felsformationen. Es lohnt sich einfach immer wieder anzuhalten und die Küste zu erkunden. Wie überall auf der Insel an den Sandstränden im Herbst blüht auch hier die Trichternarzissen, oft auch als Pankrazlilie bezeichnet.

Weiter geht es nach Norden.  An Porto Torres vorbei in Richtung Stintino zum "Capo Falcone". Die Meerenge zwischen Korsika und Sardinien bietet stahlblaues Wasser und eine Vielzahl von Bademöglichkeiten.

Dem Tierfotografen sei besonders der Küstenabschnitt vor Stintino im Osten der Halbinsel ans Herz gelegt. Aufgelassenen Salinen, eine ausgedehnte Maccia, ungeteerte Fahrwege dazwischen immer wieder kleine Süßwasserlagunen, hier wimmelt es nur so von Vögeln und Insekten. Z.B. Braun- und Schwarzkehlchen, Flamingo und Zwergseeschwalbe, Brachpieper, Grauammer und Kalanderlerche sind hier eher häufig anzutreffen. Auch kann man hier durchaus gut Wildschweine fotografieren. An die kleinen Lagunen kann man mit dem Auto dicht heranfahren und dieses so als Deckung benutzen, um ungestört durchziehende Limikolen abzulichten. Gesehen habe ich Kampfläufer, Zwerg- und Alpenstrandläufer, Grünschenkel, Rotschenkel und Andere mehr.     

Die Küstenstraße Richtung Osten ist abwechslungsreich und vielschichtig. Besonders seien aber noch die Felsformationen im Nord-osten um Palau zu erwähnen. Hier findet der Landschaftsfotograf eine Vielzahl von Motiven.

Leider ist in diesem Bericht das Innere der Insel komplett zu kurz gekommen. Aber dieses Gebiet bis in die Berge würde nochmal die gleiche Anzahl an Seiten verschlingen. Vielleicht in Teil Zwei.

Abschließend sei noch kurz erwähnt, dass auf der ganzen Insel Campingplätze, Stellplätze und WOMO-freundliche Küstenabschnitte vorhanden sind. Die Verpflegung ist gar kein Problem. Auf regionale Produkte wie Olivenöl, Käse und die unvergleichlichen Nudeln sei besonders hingewiesen und auch den sogenannten „Agriturismo Sardegna“, - Landgaststätten oft mit Unterkunft und auch meist mit Stellmöglichkeiten fürs WOMO - Essen mit ausschließlich heimischen Produkten.

 

 

 

 

Wer als Naturfotograf von München mal nicht zum Gehege Nationalpark Bayerischer Wald, zum Wildpark Poing oder auch an den Isar-Oberlauf fahren will, für den ist der Federsee in Baden-Württemberg eigentlich ein Muss.

Viele aufmerksame Fotografen haben sicher schon die Berichte in diversen Fotozeitschriften über die teilweise massenhafte Ansammlung von Bartmeisen im Herbst gelesen, doch das Gebiet gibt deutlich mehr her.

Von München geht es auf der A8 Richtung Stuttgart, bei Ulm auf die A7 und dann über B32 und B20 Richtung Biberach. Von dort ist es ein Katzensprung nach Bad Buchau, das über dem Federsee gelegene Kurstädtchen. Ca. 2,5 Stunden dauert die Reise.

Am Ort gibt es vier Stellplätze. Empfehlen möchte ich den Platz direkt am Seemuseum. Dieser befindet sich unmittelbar am Eingang zum Holzsteg, der sich mitten durch die vom örtlichen BUND gepflegten Streuwiesen,

sowie durch große Schilfgebiete direkt in den See hinaus schlängelt.

Das Benutzen des Steges ist kostenpflichtig. Für Stellplatzbenutzer unter Vorlage des Tickets aber entfällt der Eintritt. Im Übrigen betreibt die örtliche BUND auch ein Naturschutzzentrum nicht weit vom Stellplatz, das zu besuchen es sich immer lohnt. Kann man hier doch nützliche Informationen erhalten aber auch geführte Exkursionen buchen, sich über den See informieren und auch etwas über die Entwicklung des Gebietes erfahren. Nicht weit davon befindet sich auch das Federseemuseum, dessen Besuch sicherlich auch lohnend ist. Leider hatte es immer geschlossen, wenn wir vor Ort waren.

Am großen Parkplatz ist die hinterste Stellreihe den Wohnmobilen vorbehalten. Stehen bis um 12 Uhr Mittag kosten 10 Euro, Strom kann man anschließen, die kws für 50 Cent. Die Stellplatzgebühr zahlt man in bar oder mit Karte am Automat, die Strom kann man nur mit 50 C Münzen bezahlen. Da muss man halt immer wieder nachwerfen. Der Untergrund ist geteert und ziemlich gerade. Für leichte Korrekturen sind aber doch Keile gefragt.

Übrigens, wenn man sich bei der Ab- oder Ausfahrt am Naturschutzhaus rechts hält kommt sofort der nächste Stellplatz, sehr zweckmäßig und sauber angelegt. Hier kann man mit modernster Anlage Grauwasser entsorgen, Frischwasser auftanken und auch die Toilette entleeren. Ein weiterer ebener Stellplatz befindet sich am Parkplatz Kurklinik. Beide Stellplätze kosten 12,50 Euro jeweils bis Mittag, dann muss man Nachlösen.

Am besten geht’s ganz früh mit Kamera auf den Steg. Ab Betreten des Steges sollte man Augen und Ohren offenhalten. Denn jetzt beginnt schon die heiße Phase. Frühmorgens ist – wie jeder Naturfotograf weiß – die Natur noch aktiv und die Besucher des Steges halten sich durchaus noch in Grenzen.

Vom ersten Schritt an kann man mit Rehen und auch dem Fuchs in den Wiesen rechnen, Graureiher und im Herbst und Winter auch Silberreiher stehen an den kleinen Gräben, die sich entlang des Steges hinziehen. En Stückchen weiter beginnt das Altschilf. Hier beginnt auch das Reich der Bartmeisen. Im zeitigen Frühjahr singt hier die Rohrammer, wenn das Schilf dann sprießt kommen diverse Rohrsänger und Schwirle dazu.

                                                   

 

Immer sollte der Blick auch nach oben gehen. Im Winter ist in der Nähe ein bedeutender Kornweihen-Schlafplatz, und mit Überflieger ist immer zu rechnen. Am Mitte März wird die Kornweihe dann von der Rohrweihe abgelöst. Auch kann man alle Arten von Reihern, Gänse – zumeist Grau-. – und diverse Enten im Flug ablichten. Interessant wird es dann auch auf der Plattform des Aussichtsturms. Wer sich ruhig verhält wird es hier bald mit allem zu tun haben was so am See kreucht und fleucht. Der Eisvogel ist hier regelmäßiger Gast, Reiher und Enten im Tiefflug, auch der Biber und die Bisamratte statten dem Turm regelmäßig Besuche ab. Wer aufmerksam die Gegend beobachtet kann im Winter auf den Büschen hinter dem Kanal auch schon mal den Raubwürger entdecken.

                                                                                                        

„Übrigens kann man sich auf der NABU-Seite für einen Federsee-Newsletter anmelden, mit dem man dann regelmäßig über die aktuellen Natur-Beobachtungen informiert wird  - hier gehts auch:   Nabu-Federsee "

Wer jetzt den Steg weitergeht kommt schnell zu der – mittlerweile durch die Naturfotografen leider zu einer gewissen traurigen Berühmtheit gelangter – Bootshütte, die linkerhand des Steges liegt und mit diesem durch einen gesperrten Holzweg verbunden ist. Hier füttert man die Bartmeisen mit Sand an um diesen das Verdauen der Samenkost zu erleichtern und dass wird von den hübschen Vögeln auch gerne angenommen, was zu teilweise kaotischen Ansammlungen von „sogenannten“ naturliebenden Fotografen führt.

Wer aber vor oder hinter der Massenansammlung sensationshungriger Fotografen Augen und besser Ohren aufhält wird entlang des Steges auch Abseits des Trubels Bartmeisen nahe im Schilf entdecken und zu tollen Aufnahmen kommen.

Geht man weiter hinaus Richtung des offenen Wassers gelangt man wieder heraus aus dem Schilf. Auch hier sollte man aufmerksam die Ufer beobachten, denn Reiher, Eisvogel und im Winter als Gast auch schon mal die Große Rohrdommel sorgen hier durchausl für gerngesehene Überraschungen. Und wer die Vögel vorher entdeckt, bevor er selber gesehen wird, der kommt schon mal zu tollen Aufnahmen.

                                                                                                             

                           

Nicht zu vergessen seien auch die tollen Morgenstimmungen, die der See mit seinen Bodennebeln zu bieten hat. Hier muss man fairer Weise auch erwähnen, dass dieser Nebel gerade im Herbst teils auch hartnäckig den ganzen Tag anhalten kann und dass es dann auch Schneidertage geben wird.

Wer dann mit dem Wohnmobil dort einige Tage verbringt, dem sei das Thermalbad mit seiner Saunalandschaft ans Herzen gelegt. Auch ein tolles Vergnügen für den nicht fotografierenden Partner. Auch der angrenzende Kurpark bietet Kurzweil, besonders wenn man sich mal intensiv mit seiner Attraktion, dem Biber beschäftigt. Setzten sie sich abends mit Kamera in Position und finden sie heraus, wann und wie er – oft noch bei Fotolicht – aus dem Bach durch den Kurpark zum Fressen auf die umliegenden Wiesen und Ufer steigt. Aber Vorsicht – auch hier ist mit „schießwütigen“ Fotografen zu rechnen und zurecht zu kommen. Besonders wenn sie einen noch großspurig über das Verhalten - wenn der Biber da ist - aufklären und dann vor lauter Ungeduld und Stümpertum dem Biber so auf die Pelle rücken, dass dieser erst wieder eine Zeit braucht, um den Schreck zu verarbeiten.

Aber auch hier wird Geduld – meistens – belohnt.

Sowohl der sogenannte Wackelwald –dessen „wackeln“ tatsächlich spürbar ist (fotografisch aber eher uninteressant) wie auch das Örtchen Bad Buchau bieten durchaus Kurzweile. das tolle Bad wurde schon erwähnt, die Gastronomie muss man sich selbst erforschen - weil alles auch eine Frage des Geschmackes ist.

Fazit: Für Naturfotografen – auch mit nicht fotografierender Begleitung – ein lohnendes Ziel.

 

 

 

Tier- und Naturfotografie draußen ist auch immer ein Kampf mit dem Gepäck. Flugreisen mit schweren Teles und Stativen umständlich und mittlerweilen auch teuer. Nahziele sind gefragt, aber Neusiedler See und Ungarn ungemein überlaufen und schon ziemlich ausgelutscht.
Nach einigen Recherchen war ein mit dem Auto machbares Ziel gefunden, Nordspanien, Costa Brava, die Stadt Empuriabrava in der Bucht von Roses, mit dem 4800 ha großen Naturschutzgebiet Aiguamolls de l’Empordà (Sümpfe des Empordà).

Unterkünfte und Anreise

Unterkünfte gibt es in Hülle und Füllen. Vom Campingplätze bis hin zum luxuriösen Ferienhaus an einem die ganze Stadt durchziehenden Kanälen mit eigenem Bootsliegeplatz, also ideal um auch mit der Familie Urlaub zu machen und gleichzeitig seinem Hobby nachzugehen. Die Entfernung von München beträgt 1250 km, eine Nacht Fahrt und schon kann es losgehen. Gastronomie in Hülle und Fülle, Supermärkte sind ebenso vorhanden wie kleine Läden und Fachhändler jeder Art.    

 

                               

 

Das Naturschutzgebiet ist über drei Eingänge erreichbar: einmal über eine Brücke, die den Fluss Mugo überquert, ausgehend im Stadtbereich von Empuriabrava, weitere zwei Eingangsmöglichkeiten befinden sich an der Straße von Castello de Emporda nach Pescera, einmal am Informationszentrum - hier gibt es auch einen größeren Parkplatz - und etwas weiter die Straße entlang (hier geht es auch zu einem Campingplatz) der Zugang an den ehemaligen Reisspeichern, die jetzt zu Aussichtstürmen umfunktioniert wurden. Auch hier gibt es einen Parkplatz. Wenn man die Straße Richtung Campingplatz weiterfährt kann man schon vom Auto die ehemaligen Reisbecken begutachten und nach Motiven ausschau halten. Nicht übersehen sollte man die Becken rechterhand kurz vor Straßenende.

Durch das gesamte Gebiet zieht sich ein Wanderweg, der teilweise mit dem Rad befahren werden darf, teils auch nur Fußgängern vorbehalten ist.

Was erwartet mich fotografisch

Erkundet man von Empuriabrava das Gelände, muss man zuerst an der Kläranlage vorbei (hier ist das Fahrrad von großem Vorteil), unmittelbar anschließend befinden sich auch schon die ehemaligen Klärbecken namens Europa mit drei festen Beobachtungsständen, von denen man je nach Wasserstand und Vegetationsfortschritt mit langen Teles (500 mm aufwärts sollten es schon sein) reichlich auf seine Kosten kommt. Bekannte Arten, wie Teich- und Blässhuhn, Zwergtaucher und Stockente werden ergänzt mit für uns doch seltenere Arten wie Löffel- und Schnatterente, Seidenreiher und Stelzenläufer, verschiedene Limikolen sowie – mit Glück – auch das Purpurhuhn. Da eine Weißstorchkolonie in der Nähe ist, lassen sich hier immer wieder Exemplare nieder, die Rohrweihe ist hier Brutvogel, später im Jahr erscheinen Bienenfresser und in den angrenzenden Feldern und Brachwiesen finden sich Feld- und Haubenlerche, Girlitz und Cistensänger. Weiter geht’s anschließen auf dem ausgeschilderten Weg Richtung Infozentrum, durch ein Tor, entlang einer kleinen Schaffarm, vorbei an einem alten Gehöft. Wenn man hier genau schaut, kann man außer den obligatorischen Haussperlingen und Staren, auch ein Paar Steinkäuze sehen, die im alten Mauerwerk wohl ihrem Brutgeschäft nachgehen. Es gibt da ein paar exponierte Warten die - mit entsprechender Tarnung-, durchaus Erfolg versprechend sind. Vergessen sollte man aber nie, dass man sich in einem Schutzgebiet befindet.

Insgesamt hatte ich aber nie den Eindruck, dass die hier tätigen Ranger sonderlich aufmerksam sind, aber komischerweise war auch immer wieder einer da, wenn mal eine außergewöhnliche Situation auch außergewöhnliches Handeln erforderlich gemacht hätte.
Weiter geht’s durch ein Brachfeld, in dem Grauammern, Braun- und Schwarzkehlchen singen und auch ein Paar Rotkopfwürger ansässig ist, wo man auch Smaragdeidechsen antreffen kann und etliche Kaninchenbaue vorhanden sind, bis zu einer Abzweigung, an der sich künstlich bewässerte Rieselfelder befinden, die leider nicht immer geflutet werden. Auch eine Rückfrage erbrachte keine plausible Antwort über das wann und warum.

Wegbeschreibung

Folgt man dem Weg zur Linken, gelangt man an ein einzelnes Gewässer mit Beobachtungshütte, wendet man sich zur Rechten, bewegt man sich in Richtung Infocenter. Nach ein paar hundert Metern befindet sich rechter Hand wieder ein verfallenes Haus, das wieder ein paar Steinkäuze beherbergt. Weiter gehts, vorbei an beweideten Feuchtwiesen, bis kurz vor dem Center linker Hand eine Ansitzhütte ausgeschildert ist, von der man freie Sicht auf groß angelegte Wasserflächen mit weitem Grünland sowie Schilf- und Binsenbestände hat. Hier hat der Fotograf gute Chancen auf alle Reiher, Störche, Enten sowie gelegentlich Kormoran, Löffler und Flamingo.
Auch weiden hier freilebende Camarque-Pferde, die zur Landschaftsgestaltung (genau wie die Rinder) eingesetzt werden und es stehen die Chancen hoch, besonders in den Morgen- und Abendstunden, Damwild vor die Linse zu bekommen.
Ich möchte nochmals betonen, hier handelt es sich natürlich um ein eingegrenztes Gebiet. Dieses ist aber so groß, dass jährlich starke Veränderungen stattfinden und was im Vorjahr gut im nächsten Jahr völlig anders sein kann.

Park-Infocenter

Verlässt man die Bobachtungshütte nach links geht’s weiter zum Center. Hier erhält man man Informationen und kann sich auch kleine Vorträge ansehen. Ob der Tierfotograf hier allerdings brauchbare Infos ziehen kann, muss wohl jeder für sich entscheiden. Neben dem Gebäude befindet sich auch ein großer Parkplatz. Im und am Gebäude brüten Haussperling, Star, der Wiedehopf füttert im Dach und neben dem Fahrradständer bauen Türken- und Ringeltauben ihr bescheidenes Nest in einer Palme und der Stieglitz gleich daneben im Pappelbaum.

Aussichtshütte

Auch hier befindet sich eine Aussichtshütte, die etwa die gleichen Ergebnisse wie die vorher beschriebene bietet, ist allerdings vom Licht deutlich schwieriger, da man ganztägig der Sonne entgegenblickt. Vom Infocenter biegt der Weg jetzt linksseitig ab. Hier beginnt auch die fahrradfreie Zone. Natürlich kann man das mitgebrachte Rad durchschieben und einige wenige stören sich auch nicht an dem Fußgängergebot. Besonders sollte man jetzt auf die starke Konzentration der Nachtigall achten. Ebenso wie der Seidensänger ist sie alle paar Meter singend vertreten. Rechtsseitig entlang des Weges schlängelt sich ein kleiner Bach, dahinter befinden sich Baumgruppen, Weiden und Brachflächen auf denen sich die hier kolonieartig brütende Weißstörche ihre Nahrung suchen, hier kann man Ibisse sehen, Brachvögel machen Rast und viele weitere Limikolen gehen hier, je nach Zugzeit, zur Nahrungssuche nieder. Natürlich finden sich hier auch gute Plätze, um die hier vorkommen Reiherarte, Kuh- und Rallenreiher sowie Seiden- und Purpurreiher zu beobachten. So schlängelt sich der Weg weiter durch ein abwechslungsreiches Gelände, einmal geht’s links zu einer weiteren Hütte, dann befindet sich ein kleiner gemauerter Ansitz an der so genannten Kuhwiese, und ein Pfahlansitz zur rechten führt direkt unter Storchennester bevor man kurz vor der erneuten Öffnung des Geländes nochmal eine geräumige Hütte passiert. Im übrigen sind überall Tafeln angebracht, auf denen der nicht so geübte Naturläufer das eben gesehen auch bestimmen kann.

 

Man geht jetzt direkt auf ein ehemaliges Reisfeld zu, das umzäunt und teilweise geflutet, ein Paradies für alle wasserliebenden Vögel darstellt. Mit etwas Glück, gerade südlich an der Straße zum Campingplatz, rast und fressen hier Kuh-, Seiden- und auch Rallenreiher, Flamingos und auch diverse Seeschwalben (Weißbart- und Weißflügel) suchen die Wasserflächen nach Nahrung ab. Verschieden Regenpfeiffer suchen nach Nahrung und Stelzenläufer brüten gut sichtbar neben dem Weg. Auch hier befinden sich Ansitzhütten mit großem fotografischem Potential. Hier ist auch ein guter Platz um in der Dämmerung Damwild zu sehen und jetzt beginnt auch die Zeit des Mittelmeerlaubfrosches, der Abends zu tausenden ins Konzert der Amphibien einstimmt. Knoblauch- und Wechselkröte ergänzen das Konzert, wie auch endemische Lurcharten, die zu finden doch massiven Aufwandes bedürfen. Der Weg zieht sich jetzt entlang eines Weidezauns, einmal Richtung Reisspeicher (ausgebaut zum Aussichtsturm), linksseitig Richtung Meeresstrand.


Fazit: Ein tolles Urlaubsziel mit großem fotografischen Potenzial. Natürlich muss der Naturfotograf auch hier gute Motive erarbeiten, denn wie fast überall, sind wir hier nicht allein und tagsüber kann es schon mal auf den Wegen laut und betriebsam und die Hütten kurzerhand als Brotzeitstüberl genutzt werden.
Zu erwähnen ist hier unbedingt auch der kalte Fallwind aus den Pyrenäen, der teilweise sehr störend ist, und auch im April und Mai teils unangenehm Richtung Meer bläst. Kein Wunder, den landeinwärts kann man noch schneebedeckte Berge erkennen.

 

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