Schon mehrfach hatte ich Gelegenheit, den Nationalpark Gran Paradiso in Norditalien zu besuchen. Ausgangspunkt meiner Touren war dabei stets der kleine Ort Valnontey. Zu erreichen ist dieser von Cogne aus über die Rue Grand Paradis und bildet den idealen Ausgangspunkt für Erkundungen des gleichnamigen Tales.

 

 

 Sehr empfehlenswert ist das Hotel Petit Dahu. Die Gastgeber sind außerordentlich freundlich und auch die Küche lässt keine Wünsche offen. Der Einstieg zur Bergtour führt am Alpengarten Paradisia vorbei und ist vom Hotel aus in wenigen Minuten zu erreichen. Bis zum Rifugio Vittorio Sella, einem der besten Gebiete für die Beobachtung und Fotografie von Gämsen und Alpensteinböcken, sind – je nach Kondition – rund vier Stunden Aufstieg einzuplanen.

 Bereits kurz nach dem Botanischen Garten lohnt es sich, die Umgebung aufmerksam zu beobachten. Schon im Bergwald bestehen gute Chancen, Gämsen (Rupicapra rupicapra) zu entdecken. Mit etwas Glück trifft man entlang des Aufstiegs auch auf Alpensteinböcke (Capra ibex), die häufig grasend oder ruhend an den Hängen anzutreffen sind. Nicht selten nutzt auch der Steinadler (Aquila chrysaetos) die steilen Berghänge als Jagdrevier.

Alpendohlen (Pyrrhocorax graculus) begleiten den Wanderer fast während der gesamten Tour. Deutlich seltener lassen sich an den Gipfelgraten Bartgeier (Gypaetus barbatus) oder Alpenkrähen (Pyrrhocorax pyrrhocorax) beobachten. Auf den Hochflächen im Bereich der Hütte sind schließlich fast überall Murmeltiere (Marmota marmota) anzutreffen.

 Rund um Valnontey werden gelegentlich zwei kleinere Wohnmobilstellplätze beschrieben. Offiziell bestätigen konnte ich diese bislang jedoch nicht. Weder finden sich entsprechende Einträge in den gängigen Stellplatz-Apps, noch sind mir bei meinen bisherigen Besuchen solche Plätze aufgefallen. Ein offiziell ausgewiesener Wohnmobilstellplatz befindet sich dagegen in Cogne.

 Im Herbst 2024 erreichte ich den Nationalpark Gran Paradiso über das benachbarte Valsavarenche. Von Aosta aus ist dieses Tal ebenfalls gut erreichbar. Die ersten Kilometer der Straße sind insbesondere mit größeren teilintegrierten oder integrierten Wohnmobilen durchaus anspruchsvoll zu befahren. Der Aufwand lohnt sich jedoch, denn die Straße führt direkt in eine landschaftlich wie fotografisch äußerst reizvolle Umgebung.

 Am Ende der Straße befindet sich ein großer Parkplatz, der während der touristischen Hauptsaison vermutlich stark ausgelastet sein dürfte. Von dort aus setzt man den Weg ausschließlich zu Fuß fort. Nach den Erfahrungen verschiedener Naturfotografen und Gebietskenner gilt insbesondere der Weg Nr. 2 als besonders erfolgversprechend für die Beobachtung von Gämsen und Alpensteinböcken. Leider konnten wir diese Touren wegen eines massiven Wintereinbruchs nicht selbst unternehmen.

 

Übernachtungsmöglichkeit für Camper

Camping Gran Paradiso, Valsavarenche

Der Campingplatz ist saisonabhängig während der Sommermonate geöffnet. Die aktuellen Öffnungszeiten sollten vor der Anreise auf der offiziellen Internetseite geprüft werden.

Leider war der Campingplatz bei unserer Durchfahrt bereits geschlossen, sodass ich keine eigenen Erfahrungen oder Empfehlungen weitergeben kann.

 

Stellplatztipp

Area di Sosta Dégioz

 Der Stellplatz befindet sich am Ortseingang auf der rechten Seite. Er verfügt über einen befestigten Untergrund und bietet Platz für etwa zehn bis elf Wohnmobile. Teilweise sind Auffahrkeile erforderlich. Strom- und Sanitäranlagen stehen nicht zur Verfügung. Eine Ver- und Entsorgungsstation für Frisch-, Grau- und Schwarzwasser ist vorhanden. Am nahe gelegenen Spielplatz können Abfälle entsorgt werden. Der Stellplatz eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Fahrten zum Talende und dürfte während der Hauptsaison entsprechend stark frequentiert sein.

 

Schon lange wollte ich den Nationalpark Gran Paradiso auch von Süden aus anfahren. Von Aosta aus führt die Strecke zunächst über die Autobahn in Richtung Turin. Nach dem Verlassen der Autobahn gelangt man über schmale Landstraßen in das Tal des Torrente Orco.

Die Strada Provinciale SP 50 folgt dem Fluss durch eine beeindruckende Hochgebirgslandschaft bis hinauf zum Colle del Nivolet auf rund 2.600 Metern Höhe. Die Luftlinie zum zuvor beschriebenen nördlichen Zugang ist zwar gering, doch im Hochgebirge bestimmen die Täler den tatsächlichen Reiseweg. Ursprünglich war geplant, die Straße bis in Richtung Aostatal weiterzuführen. Aus Gründen des Landschafts- und Naturschutzes wurde dieses Vorhaben jedoch nicht umgesetzt.

 

 Leider zwang uns auch hier das Winterwetter zur Umkehr. Wir kamen lediglich bis zum Halteplatz an der Diga del Lago dell'Agnel, unmittelbar am Beginn des Stausees. Von dort führt die Straße über die Staumauer noch weiter hinauf bis zum Laghi del Nivolet. Bei Neuschnee oder schlechten Witterungsverhältnissen wird das sehr enge und kurvenreiche letzte Teilstück jedoch bereits an der Staumauer gesperrt. Trotzdem konnte ich schon vom Parkplatz aus zahlreiche Gämsen (Rupicapra rupicapra) mit dem Fernglas beobachten. Um unangenehme Überraschungen möglichst zu vermeiden, sollten bei Fahrten bis zum Straßenende – insbesondere im Frühjahr und Herbst – unbedingt Schneeketten mitgeführt werden.

 

Stellplatztipp

Camping Piccolo Paradiso di Oberto Alessandra Rita

 Der Campingplatz liegt kurz hinter dem Lago di Ceresole. Die Rezeption ist häufig nicht besetzt; die Anmeldung erfolgt dann unkompliziert im Restaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es handelt sich um einen einfachen, aber gepflegten Campingplatz direkt am Fluss mit Stromanschlüssen und einer zweckmäßigen Sanitäranlage. Während unseres Aufenthalts wurde ausschließlich Italienisch gesprochen. Die Betreiber waren ausgesprochen freundlich und wir fühlten uns bestens aufgehoben. Schade ist lediglich, dass Besucher in der näheren Umgebung teilweise sichtbar Müll hinterlassen.

 Da das Winterwetter im Spätherbst 2024 keine Anzeichen einer Besserung erkennen ließ, setzten wir unsere Reise in Richtung Süden fort. Unser nächstes Ziel war die Verdonschlucht in Frankreich. Die Strecke führte zunächst zurück in Richtung Turin, anschließend über mautpflichtige Autobahnen bis in die Nähe von Nizza und schließlich in das Département Alpes-de-Haute-Provence nach Castellane, einem idealen Ausgangspunkt für Erkundungen der Verdonschlucht.

 Das reizvolle Städtchen bietet eine hervorragende touristische Infrastruktur. Ob Ausflüge zum Lac de Sainte-Croix, Wassersport in allen Variationen, geführte Bootstouren in die Ausläufer der Schlucht oder zahlreiche Restaurants und Hotels unterschiedlichster Kategorien – hier findet nahezu jeder Besucher das passende Angebot.

 

Stellplatztipp

Camping Tikayan Saint Clair

 Der Drei-Sterne-Campingplatz liegt nicht unmittelbar am Lac de Sainte-Croix und ist dadurch preislich etwas günstiger. Die großzügig angelegte Anlage befindet sich unter altem Baumbestand direkt an einem Bach. Besonders hervorzuheben sind die moderne und sehr gepflegte Sanitäranlage sowie der kleine Supermarkt und die Pizzeria auf dem Platz. Die Zufahrt liegt unmittelbar an einem Kreisverkehr der Umgehungsstraße.

 Von dort führt links die Route de Palud in Richtung Moustiers-Sainte-Marie. Der Besuch dieses malerischen Dorfes ist aus meiner Sicht unbedingt zu empfehlen. Es empfiehlt sich allerdings, bereits nahe der Hauptstraße nach einem Parkplatz Ausschau zu halten, da der Besucherandrang meist entsprechend groß ist. Kleine Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein. Unvergesslich bleibt auch der Aufstieg zur Kapelle Notre-Dame de Beauvoir, der zwar steil und durchaus anstrengend ist, den Wanderer jedoch mit einem beeindruckenden Ausblick belohnt.

 Folgt man am Kreisverkehr dagegen geradeaus der Route de Castellane, erreicht man nach etwa 30 Minuten bergauf die Ortschaft La Palud-sur-Verdon. Sowohl entlang der Strecke als auch im Ort selbst befinden sich mehrere Campingplätze. Am Ortsende biegen wir rechts auf die gut ausgeschilderte Route des Crêtes ab. Von hier beginnt eine spektakuläre Panoramarundstraße mit zahlreichen Aussichtspunkten, die immer wieder beeindruckende Blicke in die Verdonschlucht ermöglichen. Ich empfehle dringend, die Strecke in dieser Fahrtrichtung zu befahren. Nur so lassen sich sämtliche Aussichtspunkte bequem anfahren. Die Rundstraße endet wieder in La Palud-sur-Verdon. Der überwiegende Teil der Strecke ist als Einbahnstraße ausgewiesen.

 

 

 Entlang der Straße lohnt es sich, die Augen stets offen zu halten. Überall besteht die Chance, Samtkopf-Grasmücken (Curruca melanocephala, Syn.: Sylvia melanocephala), Weißbartgrasmücken (Curruca cantillans, Syn.: Sylvia cantillans), Mauereidechsen sowie verschiedene Schmetterlingsarten zu entdecken.

 Auch Habichtsadler (Aquila fasciata, Syn.: Hieraaetus fasciatus), Rotmilane (Milvus milvus) und Schwarzmilane (Milvus migrans) lassen sich mit etwas Glück beobachten. Ein besonderes Erlebnis war jedoch die Begegnung mit mehreren Gänsegeiern (Gyps fulvus), die in geringer Höhe unmittelbar an uns vorbeizogen und sich hervorragend fotografieren ließen.

 Der Gänsegeier ist in diesem Gebiet wieder als Brutvogel heimisch. Seine Bestände werden von französischen Naturschutzorganisationen betreut und geschützt. Zunehmend problematisch ist allerdings die immer stärker werdende, teilweise unkontrollierte Kletterei in den zahlreichen Felswänden, die während der Brutzeit immer wieder zu Störungen der Brutplätze führt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stellplatztipp

Camping La Ferme de Castellane

 Der ruhig an einem kleinen Fluss gelegene Drei-Sterne-Campingplatz wird von ausgesprochen freundlichen Betreibern geführt. Brötchenservice, Pool sowie Stellplätze und Chalets etwas außerhalb von Castellane sorgen für einen angenehmen Aufenthalt. In der Nachsaison gilt die ACSI-Card. Die Anzahl der Wohnmobilstellplätze ist allerdings begrenzt.

 Durchquert man Castellane, gelangt man wieder auf die bereits beschriebene Straße in Richtung Route des Crêtes. Sie folgt über weite Strecken dem Verlauf des Verdon und zählt landschaftlich zu den schönsten Straßen der Region. Schließlich erreicht man wieder die bereits beschriebene Zufahrt zur Panoramarundstraße – diesmal natürlich von der entgegengesetzten Seite.

 Mit Hilfe der Google-Navigation erreichten wir anschließend problemlos unser nächstes Ziel: Saintes-Maries-de-la-Mer, einen kleinen Küstenort im Parc naturel régional de Camargue, etwa auf halber Strecke zwischen Montpellier und Arles. Unsere Wahl fiel auf den Vier-Sterne-Campingplatz Le Clos du Rhône, unmittelbar neben der Mündung der Kleinen Rhône ins Mittelmeer.

 

Stellplatztipp

Camping Le Clos du Rhône

 Der großzügig angelegte, allerdings stark frequentierte Campingplatz verfügt über ein Restaurant, moderne Sanitäranlagen, Pool, Ferienhäuser sowie Stellplätze mit Stromanschluss für Wohnmobile. Besonders positiv fiel die moderne und sehr saubere Ver- und Entsorgungsstation einschließlich Frischwasserversorgung auf.

 Nur wenige hundert Meter vor dem Campingplatz befindet sich an der Zufahrtsstraße ein großer kostenpflichtiger Wohnmobilstellplatz ohne Serviceeinrichtungen. Darüber hinaus stehen im Ort weitere kostenpflichtige Stellplätze für Wohnmobile zur Verfügung.

 Persönlich bevorzuge ich jedoch das Übernachten auf gesicherten Campingplätzen. Berichte über Einbrüche in Wohnmobile außerhalb geschützter Bereiche sowie auf öffentlichen Parkplätzen sind leider keine Seltenheit und sollten bei der Reiseplanung berücksichtigt werden.

 Dass man in Saintes-Maries-de-la-Mer hervorragend essen kann, versteht sich fast von selbst. Viele Restaurants bieten fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte an. Eine besondere Spezialität der Region ist die von Hand geerntete Tellmuschel. Je nach Region werden darunter verschiedene essbare Muschelarten zusammengefasst. Für den täglichen Bedarf stehen außerdem zwei kleinere Supermärkte zur Verfügung.

 Alle fotografischen Exkursionen unternahm ich von hier aus mit dem Fahrrad. Bereits unmittelbar vor dem Campingplatz lassen sich in den flachen Wasserbereichen häufig Flamingos und verschiedene Limikolen beobachten. Welche Arten anzutreffen sind, hängt allerdings stark vom jeweiligen Wasserstand ab.

 Folgt man am Kreisverkehr der linken Straße, führt die Strecke vorbei an weitläufigen Feuchtweiden mit den berühmten weißen Camargue-Pferden, immer wieder gesäumt von Haciendas und Reiterhöfen. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, lohnt sich ein Blick auf den Fluss. An der ersten Straßeneinmündung hält man sich rechts. Nach einigen Kilometern erreicht man wieder die Landstraße nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Dort hält man sich links und gelangt wenig später zum Eingang des Parc Ornithologique de Pont de Gau.

 Für Vogelfotografen gehört dieses Schutzgebiet zu den absoluten Höhepunkten der Camargue. Der Park öffnet morgens zwar erst um 9.00 Uhr, kann am Abend jedoch über eine Drehtür auch nach Schließung verlassen werden. Dadurch lassen sich die hervorragenden Lichtverhältnisse der Abendstunden optimal für die Fotografie nutzen.

 Die Artenvielfalt ist beeindruckend. Bereits von der Terrasse des Bistros am Eingang lassen sich Graureiher, Seidenreiher, Silberreiher, Nachtreiher, Kuhreiher sowie Rosaflamingos (Phoenicopterus roseus) hervorragend beobachten und fotografieren. Ebenso gehören Löffler (Platalea leucorodia) und eine Kolonie Brauner Sichler (Plegadis falcinellus) zu den regelmäßigen Bewohnern des Parks.

 Ein besonderes Schauspiel bietet die tägliche Fütterung der Flamingos. Sobald das Futter ausgebracht wird, fliegen oder laufen Hunderte Vögel gleichzeitig zur Futterstelle und sorgen für ein beeindruckendes Naturschauspiel.

 Der absolute Höhepunkt ist für mich jedoch die Kolonie der Schwarzkopfmöwen (Ichthyaetus melanocephalus). Ich kenne im gesamten Süden Europas kaum einen Ort, an dem sich diese seltene Möwenart so zuverlässig und gleichzeitig so hervorragend fotografieren lässt.

 Auch Seidensänger (Cettia cetti) und zahlreiche weitere Bewohner der Röhrichte sind regelmäßig zu beobachten. Während der Zugzeiten im Frühjahr und Herbst herrscht hier ein außergewöhnlicher Artenreichtum. Für Natur- und Vogelfotografen ist der Parc Ornithologique de Pont de Gau deshalb zu jeder dieser Jahreszeiten ein ausgesprochen lohnendes Ziel.

 

 

Im Frühjahr 2026 führte uns unsere Reise – diesmal aus Richtung Bordeaux kommend – erneut auf den bereits beschriebenen Campingplatz an der Kleinen Rhône.

Auffallend war Mitte Mai das nahezu vollständige Fehlen von Insekten. Sowohl auf dem gepflegten Campingplatz als auch auf den großflächigen ruderalen Blühflächen der Umgebung waren kaum Insekten zu entdecken. Zum ersten Mal kehrte ich deshalb von einer Reise zurück, ohne auch nur ein einziges Insektenfoto aufgenommen zu haben.

Ganz anders präsentierte sich dagegen die Vogelwelt. Singende Grauammern (Emberiza calandra) auf einzeln stehenden Büschen entlang des Radweges, Stare (Sturnus vulgaris) in natürlichen Baumhöhlen auf dem Campingplatz sowie verschiedene Limikolen an kleinen Wasserflächen neben der Straße boten auch diesmal zahlreiche Beobachtungsmöglichkeiten.

Im Parc Ornithologique de Pont de Gau herrschte ähnlich reges Vogelleben wie bei meinen früheren Besuchen. Eine Veränderung fiel jedoch sofort ins Auge: Die früher so große Kolonie der Schwarzkopfmöwen (Ichthyaetus melanocephalus) war nahezu vollständig verschwunden.